CALIGARI » Symposium: Queer Horror

CALIGARI
Deutsche Zeitschrift für Horrorstudien | German Journal of Horror Studies

Symposium: Queer Horror

Hauptseite | Tagungsprogramm | Referent_innen | Organisation | Kooperationen & Sponsoren | Anreise

Queer Horror – Symposium und Filmreihe
vom 12. November bis 10. Dezember 2009 im g-werk, Marburg

Im Rahmen einer vierwöchigen Veranstaltungsreihe (Filme – Vorträge – Parties) des traumakinos im Marburger g-werk wird in Kooperation mit CALIGARI – Deutsche Zeitschrift für Horrorstudien am 27./28. November 2009 ein Symposium zum Thema „Queer Horror“ stattfinden. Neben Filmaufführungen und Gesprächen mit Filmemachern soll in Vorträgen interdisziplinär die Verschränkung von „Queer“ und „Horror“ erörtert werden.

Ein Tagungsband wird im Sommer 2010 bei Tectum (Marburg) erscheinen.

-Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich!-

Helft mit beim viralen Marketing über…

| | |

Das Programm zur gesamten Veranstaltungsreihe als PDF (Das Tagungsprogramm gibt es hier)

Das Thema: Queer Horror?
1. Queer

„Queer“, das ist auf den ersten Blick, wer sich als lesbisch und schwul identifiziert. Ist aber auch, wer sich identifiziert als: bisexuell bzw. pansexuell, transsexuell, Transvestit, drag queen, leather daddy, lipstick lesbian, pansy, fairy, dyke, butch, femme, asexuell, intersexuell, polyamant, autosexuell. „Queer“ ist, wer sich nicht in die heteronormative Ordnung fügen will, sei es z.B. durch „falsche“ sexuelle Praktiken (BDSM, Fetisch, Kokrophagie), Verhalten (cross-dressing, „Hypersexualität“) oder deviantes Begehren (z.B. „ungewöhnliche“ Altersunterschiede, Inzest oder Liebe zu/zwischen körperlich oder geistig Behinderten).

Ursprünglich vor allem gegen Schwule als Schimpfwort gebraucht, wurde „queer“ zum politischen Solidarbegriff von Schwulen und Lesben in der großen AIDS-Hysterie Anfang der 90er umgemünzt und ist seitdem virulent in Theorie und politischer Praxis. Queerer Aktivismus will das heteronormative Regime sabotieren. Als politischer Begriff ist „queer“ jedoch auch mit dem Problem konfrontiert, selbst wiederum Unerwünschtes ausschließen zu müssen (z.B. Pädophilie).

In den Queer Studies ermöglicht die Kategorie „queer“ als das Andere der Heteronormativität die Aufdeckung ihrer konstituierenden Matrix in der Kultur, z.B. durch das Queer Reading von Literatur oder Film und der Untersuchung von sexuellen „Devianzen“ im wissenschaftlichen Diskurs. Dabei knüpft die „Queer Theory“ an Foucault und Butler an, indem sie davon ausgeht, dass Geschlechter und deren Merkmale gesellschaftlich und sozial konstruiert sind, also nicht natürlich-biologisch determiniert. Ähnlich wie die traditionelle Heteronormativität sind auch die Kategorien schwul, lesbisch und bisexuell durch Einschränkungen und Abgrenzungen gekennzeichnet. „Queer“ eröffnet so neue Sichtweisen auf Geschlechtsidentität, es wird mit den typischen Merkmalen gespielt und verwirrt.

2. Horror

Horror ist ein Gefühl des Unheimlichen in Gegenwart bestimmter Ereignisse (z.B. das Erscheinen eines Monsters oder ein „seltsamer“ Zufall). Das Gefühl kann uns in der Wirklichkeit beschleichen (z.B. als Kind), ist aber meist im sicheren Rahmen einer Schreckensästhetik genießbar. Was aber löst in uns das Grauen aus?

Der kanadische Filmwissenschaftler Robin Wood schlägt als Basisformel aller Horrornarrative vor: „Normality is threatened by the Monster“. Der oberflächlichen Bedrohung des Monsters für Leib und Leben entspricht eine tiefergehende, die die symbolische Ordnung in ihren Grundfesten erschüttert. Im Horror wird die „Normalität“ (die Welt, wie wir sie kennen und überschauen) zertrümmert und an ihre Stelle eine andere (erschreckende) Wirklichkeit gesetzt. Besonders erschütternd ist, wenn wir ahnen (oder gar gewiss sind), dass die um das Monströse erweiterte Welt irgendwie wahr ist – und also die als Realität angenommene Normalität eine Illusion.

3. Queer Horror

Die Infragestellung der Heteronormativität durch das Queer-Konzept korrespondiert mit dem genretypischen Eindringen des Monströsen in die Normalität: „Heteronormativity is threatend by the Queer“. Mit der Dekonstruktion der Heteronormativität und der Geschlechterbinarität lösen sich auch andere Fixpunkte des Kulturellen auf: z.B. die Familie (als Nukleus der Gesellschaft) und das Patriarchat. So sehr das Monster und das Queere als Bedrohung empfunden werden, so ist ihnen auch das Potential zur Faszination eigen. Die Auflösung der bestehenden Ordnung kann ebenso als Befreiungsakt ersehnt werden. Mit der Zerstörung der Geschlechterordnung wird das Subjekt erschüttert und erlöst zugleich.

Im Horror tragen entweder die Monstren queere Merkmale (z.B. Fetische, Sadismus, etc.) oder aber die Figurenkonstellationen lassen ein „queer reading“ zu, wenn z.B. die heteronormale Beziehung zwischen männlichem Held und seinem love interest durch ein nicht notwendigerweise sexuell markiertes Monster gestört wird – und also die Beseitigung dieser Störquelle die Herstellung der Heteronormativität als Idealzustand darstellt.

Zu fragen wäre aber auch, jenseits des subversiven Potentials des Horrors, inwiefern das Genre die Heteronormativität affirmiert, beispielsweise durch die Präsentation klischierter Geschlechterrollen (Frauen sind grundsätzlich die Opfer bzw. als Täterinnen werden sie häufig maskulin dargestellt).

„Queer Horror“ bedeutet aber nicht nur eine queere Perspektivierung auf das Genre, sondern kann auch – als Teil des queeren Aktivismus – bewusste Setzung von Queer-Thematiken in die Schemata des Horrorgenres sein. Insbesondere in den letzten Jahren wechselten „queer people“ vermehrt in die Helden- bzw. Opferrolle, während die Normalität zur grauenhaften Bedrohung geronnen ist. Nicht zuletzt ist dementsprechend auch zu fragen, wie sich die Queerness von Künstlern in deren Werke einschreibt (von Lord Byron über James Whale bis Clive Barker).

„Queer Horror“ ist also keine seltsame, kuriose Melange: der Konnex zwischen „Queer“ und „Horror“ ist strukturell vorbestimmt.

Filme (in einer vierwöchigen Reihe):

-Blut an den Lippen (R: Harry Kümel)

-Bukarest Fleisch (R: Andy Fetscher)

-Can I be your Bratwurst, please? (R: Rosa von Praunheim)

-Hellbent (R: Paul Etheredge)

-Hüter der Grenze (R: Maja Weiss)

-Otto; Or, Up with Dead People (R: Bruce LaBruce)

-Science of Horror – Wenn die Kettensäge zum Penis wird (R: Katharina Klewinghaus)

-Vampyros Lesbos (R: Jess Franco)

u.a.

Veranstalter:

traumakino im G-Werk

www.cafetrauma.de

Ansprechpartner:         Karina Kirsten

karisma_k00[at]yahoo.de

CALIGARI – Deutsche Zeitschrift für Horrorstudien

www.caligari-online.de

Ansprechpartner:         Jörg Hackfurth

joerg_hackfurth[at]caligari-online.de

Organisation:

Filmreihe

Ansprechpartner:         Karina Kirsten

karisma_k00[at]yahoo.de

Symposium

Ansprechpartner:         Jörg Hackfurth

joerg_hackfurth[at]caligari-online.de

Party

Ansprechpartner:         Alex Bickel

sandrik[at]gmx.de